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106. DOG-Kongress Home
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AbstractDO.02.04 Bombenkrieg Walter Dieter und seine Splitterschutzbrille Rohrbach J. M. Department für Augenheilkunde, Universitätsklinikum Tübingen Ziel: Ab Mai 1940 begannen die alliierten Bombenangriffe auf das Deutsche Reich, die eine zunehmende Zahl von Augenverletzungen bei der Zivilbevölkerung mit sich brachten. Eine besondere Rolle bei den Abwehrmaßnahmen spielte die von Walter Dieter (1895-1973) entwickelte Splitterschutzbrille. Methode: Auswertung von Literatur zu Walter Dieter und von Akten und Karteien zur NS-Zeit im Bundesarchiv Berlin. Ergebnisse: Walter Dieter, Nachfolger des vertriebenen Alfred Bielschowsky auf dem Breslauer Ordinariat für Augenheilkunde, trat bereits 1923 der NSDAP bei. Nach der Neugründung der Partei im Februar 1925 erfolgte der erneute Parteieintritt 1932. Dieter, seit 1933 Mitglied der SS und Partei-Berater bei Berufungsverfahren für ophthalmologische Lehrstühle, entwickelte im Krieg einen weit verbreiteten Feldmagneten zur Entfernung intraokularer Fremdkörper. Im Juli 1943 trat er an den Reichsgesundheitsführer Leonardo Conti heran und schlug die Produktion einer Splitterschutzbrille für die zivile Bevölkerung vor, die bis Ende 1943 in einer Stückzahl von mindestens 2 Millionen von der Auergesellschaft Berlin/Oranienburg gefertigt wurde. Schlussfolgerungen: Walter Dieter, der innerhalb der DOG kein bedeutsames Amt bekleidete, dürfte der führende NS-Ophthalmologe gewesen sein. Die trotz der 1943 schon stark angespannten Versorgungslage erfolgte Produktion der Schutzbrille in Millionenhöhe innerhalb von nur 5 Monaten nach der ersten Anregung bei Conti ist bemerkenswert und war nur möglich, weil Dieter offenbar über gute Beziehungen bis in hohe Parteikreise hinein verfügte und der Entwicklung der Brille von der NS-Führung involviert waren das Reichsministerium für Rüstung und Kriegsproduktion (Speer), das Reichsministerium des Inneren (Himmler) und das Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda (Goebbels) höhere Priorität beigemessen wurde. Inwieweit es letzten Endes zur Verteilung der Schutzbrille an die Zivilbevölkerung kam und dadurch Augenverletzungen definitiv verhindert wurden, ist bisher nicht bekannt.
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